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Ein gescheitertes Epos

In seinem Erstlingswerk „47 Ronin“ mischt Regisseur Carl Rinsch Genres und rührt mit grosser Kelle an. Er strauchelt, aber unterhält den Zuschauer bisweilen trotzdem.

„47 Ronin“ basiert auf einem Ereignis aus der japanischen Geschichte, welches zu einem Nationalmythos geworden ist. Im feudalen 18. Jahrhundert rächen 47 Samurai den Tod ihres zum Selbstmord gezwungenen Lehnsherrn gegen den Willen des Shoguns und verwirken somit ihr eigenes Lebens. Viel mehr historische Begebenheiten folgen nicht. Das Drehbuch unterscheidet sich auch deutlich von bisherigen Verfilmungen: An die Vorlage wird die Hauptfigur Kai (Keanu Reeves) angedichtet. Der wegen seiner britischen Herkunft zunächst verbannte und versklavte Samurai, wird plötzlich zum Helden und soll die zahlenmässig unterlegenen Rebellen unterstützen. Geführt werden die herrenlosen Samurai –auch Ronin genannt – von Oishi (Hiroyuki Sanada). Gegenspieler sind Lord Kira (Asana Tadanobu), welcher von einer boshaften Hexen (Rinko Kikuchi) unterstützt wird. Natürlich darf auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen und mythische Gestalten sollen die vielen Action-Sequenzen bereichern. Offensichtlich sollte ein Epos und Kassenschlager geschaffen werden.

Die westliche Verfilmung bedient sich zwar an allerlei Stereotypen aus Hollywood, Vergleiche mit Akira Kurosawa oder der legendären Fernsehserie „Shogun“ drängen sich wegen der Samurai-Thematik aber trotzdem auf. Sie sind aber keineswegs angebracht, da die Genres zu verschieden sind. So sind etwa Kurosawas Samurai-Epen auch psychologische Dramen, welche nur so von Kunstgriffen strotzen und „Shogun“ ist ein Meilenstein des Historienepos. Im Feuilleton wurden die Vergleich gleichwohl gezogen, weshalb der Film häufig niederschmetternd bewertet worden ist. Schaut man „47 Ronin“ jedoch unvoreingenommen, findet man neben Schatten auch einiges an Licht.

Die Stärken des Filmes liegen in der Machart. Kampfszenen, Animation und die epischen Landschaften unterhalten den Zuschauer bestens. Keanu Reeves erinnert stark an seine Darstellung in Matrix. Mit steinerner Miene schreitet er durch jede Szene, was keine grossartige schauspielerische Leistung, aber immerhin konsequent ist. Nur der bekannte japanische Schauspieler Hiroyuki Sanada erhält gleich viel Bildschirmpräsenz wie Reeves. Die emotionale Entwicklung der seiner Figur Oishi ist deutlich spannender als jene von Kai und bietet auch mehr mimische Freiheiten.

Das flache Drehbuch verhindert jedoch, dass aus dem Genre-Mix ein Epos wird. Gerade hier hätte man mehr erwarten können, zumal der Verantwortliche Hossein Amini durch die Arbeit an „Drive“ sein Talent schon gezeigt hat. Regisseur Carl Rinsch hat in seinem ersten Kinofilm zwar kein Epos erschaffen, nach den schlechten Kritiken und schwachen Zahlen im Box Office ist „47 Ronin“ dennoch besser als erwartet – aber leider auch nicht so gut wie es die Vorlage erlaubt hätte.


47 Ronin

Regie: Carl Rinsch

Drehbuch: Hossein Amini, Chris Morgan

Darsteller: Keanu Reeves, Hiroyuki Sanada, Tadanobu Asano

Jahr: 2013

Dauer: 118 Minuten

“47 Ronin” läuft seit dem 30. Januar 2014 in den Schweizer Kinos.

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