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Idris Elba ist Nelson Mandela

„Mandela: Long Walk to Freedom“ feiert den Friedensnobelpreisträger so sehr, dass die Geschichte darunter leidet. Wegen der ausserordentlichen Performance von Idris Elba ist der Film trotzdem sehenswert.

Heute läuft „Mandela: Long Walk to Freedom“ in den Schweizer Kinos an. Basierend auf der gleich lautenden Biographie, hat Regisseur Justin Chadwick das erste „Biopic“ über Nelson Mandela gedreht. Durch das kürzliche Hinscheiden des ehemaligen Präsidenten Südafrikas, hat sich die Aufmerksamkeit erhöht und die Erwartungen an den Film sind merklich angestiegen. Morgan Freeman, Terrence Howard, Dennis Haysbert oder Danny Glover haben sich schon an der Verkörperung von Nelson Mandela versucht. Nun folgt Idris Elba. Optisch gleichen sich Mandela und Elba nicht ausserordentlich, doch Elbas Darstellung des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas lässt denn Zuschauer die Unterschiede vergessen. Der britische Schauspieler hatte in der HBO-Serie „The Wire“ schon als amerikanischer Drogenbaron aus dem Ghetto überzeugt und sein breites Repertoire nun erweitert. Besonders imponierend zeigt Elba, wie Mandela mit zunehmendem Alter weiser und weicher wird. Trotz herausragender Mimik und des auf der Leinwand spürbaren Charismas, wurde Elba aber bei den Oscar-Nominierungen übergangen.

Die Leistung des Schauspielers wird Mandela also gerecht, weil das Drehbuch dies aber zu sehr versucht, leidet der Film. Allzu oft haben Filmbiographien Schwierigkeiten, ein ganzes Leben in eine kompakte Form zu bringen und vergessen auf Kontext oder Nebenfiguren einzugehen. Auch hier weist der Versuch, ein historisches Drama mit der intimen Studie von Mandelas Entwicklung zu kombinieren, Schwächen auf. „Mandela: Long Walk to Freedom“ zeigt Ausschnitte aus Mandelas Leben, beginnend mit einem Prolog aus seiner Kindheit, Da die als Vorlage verwendete Autobiographie 1994 – zeitgleich zu seiner Präsidentschaftswahl – erschienen ist, endet der Film auch dann. Der Fokus liegt auch wegen dieser Vorlage so sehr auf Mandela, dass, ausgenommen seiner zweiten Frau Winnie, alle Mitstreiter zu Statisten avancieren. Ebenso wird das Vorgehen des African National Congress wenig differenziert betrachtet. Ein Fokus auf eine kürzere Zeit als die behandelten fünfzig Jahre, hätte dem Film wohl gut getan. So muss sich Regisseur Chadwick auf einzelne Ereignisse wie etwa die Demonstration von Sharpeville, infolgedessen der ANC verboten worden ist und sich in eine zur Gewalt bereiten Untergrundorganisation gewandelt hat, beschränken.

Am stärksten ist der Film, wenn Mandela mit eigenen Schwächen und Brüchen in seinem Leben umgehen muss, wie der Trennung von seiner ersten Frau. Der schwierigen Beziehung zu Winnie – brillant gespielt von Naomie Harris – hätte mehr Platz eingeräumt werden können, da sie die spannendsten Momente des Streifens liefert. Die wegen seiner Inhaftierung entstandenen Unterschiede und zunehmende Radikalisierung von Winnie bieten ein kurzes Highlight.

„Mandela: Long Walk to Freedom“ ist ein Film, welcher Ausschnitte aus dem Leben einer Ikone zwar angemessen zeigt und schauspielerische Höchstleistungen bietet, wegen dramaturgischen Schwächen aber den Charakter eines historischen Schulfilmes nie ganz ablegen kann.


Mandela: Long Walk to Freedom

Regie: Justin Chadwick

Drehbuch: William Nicholson

Darsteller: Idris Elba, Naomie Harris, Terry Pheto

Jahr: 2013

Dauer: 141 Minuten

“Mandela: Long Walk to Freedom” läuft seit dem 6. Februar 2014 in den Schweizer Kinos.

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