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Schmerz verlangt, gefühlt zu werden – The Fault in our Stars

Am letzten Donnerstag startete “The Fault in our Stars” fulminant in den USA. Die Verfilmung des YA-Bestsellers von John Green schafft es auch, auf den Kinoleinwänden das Publikum anzulocken. Wir haben den Film an der Fan-Premiere fünf Tage vor dem offiziellen Kinostart in der Deutschschweiz gesehen.


Für die Umsetzung von “The Fault in our Stars” zeichneten sich Michael H. Weber und Scott Neustadter als Autoren sowie Josh Boone als Regisseur verantwortlich. Insbesondere die beiden Autoren stellten ihre Fähigkeiten in “500 Days of Summer” und “The Spectacular Now” unter Beweis. Als grosser Fan des Buches von John Green hatte ich allein deswegen schon hohe Erwartungen an den Film, wie ich bereits in unserem ersten Trailerreview schrieb. Diese wurden nicht enttäuscht. “The Fault in our Stars” ist eine wunderbare und herzzerreissende Geschichte, die als Film gut umgesetzt wurde.

Die 17-jährige Hazel Grace Lancaster (Shailene Woodley) leidet an Schilddrüsenkrebs, der sich auch auf ihre Lungen auswirkt. Dank einer neuen Therapie hat sie zwar überlebt, jedoch begleitet eine Sauerstoffflasche stets ihren Alltag. Ihre Eltern wünschen sich, dass sie ihr Leben nicht allein mit Reality Shows und dem Roman “An Imperial Affliction” verbringt, sondern auch wieder unter die Leute geht. “Make some friends.”, sagt ihre Mutter (Laura Dern), als sie Hazel zu einer Selbsthilfegruppe von Krebspatienten bringt.

Hazel ist von dieser Gruppe wenig begeistert, bis sie auf Augustus Waters (Ansel Elgort) trifft, der seinen Freund Isaac (Nat Wolff) zu einer Session begleitet. Augustus, früher an seiner Highschool ein Basketballspieler, hat seinen Krebs besiegt, dabei jedoch sein rechtes Bein verloren. Von der ersten Sekunde an fühlen sich die beiden zueinander hingezogen. Während ihres ersten Treffens, leiht sie ihm “An Imperial Affliction” aus. Nachdem Augustus das Buch gelesen hat, bleiben ihm mehr Fragen als Antworten. So nimmt er Kontakt mit dem Autoren Peter van Houten (Willem Dafoe) auf, der seine beiden jungen Fans nach Amsterdam einlädt, um diese Fragen zu klären. Doch der Krebs bleibt stets allgegenwärtig.

Der Film spricht verschiedene Themen an: der Umgang mit Krankheit und Tod, die Angst vor dem Vergessen werden und natürlich die grosse und erste Liebe. Anders als in anderen Liebesgeschichten ist es eher ein Risiko als ein Wunsch, dass die erste auch die einzige Liebe bleibt. Die Geschichte wird mit emotionaler Tiefe erzählt und ist besonders in den letzten zwanzig Minuten todtraurig.

In “The Fault in our Stars” sticht das hervorragende Casting gleich ins Auge. Dass Shailene Woodley mittlerweile zu den heissesten Newcomern in Hollywood zählt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Sie besitzt die seltene Gabe, die Schauspieler um sie besser zu machen. Dies hat sie in “Divergent” mit Toby James, in “The Spectacular Now” mit Miles Teller und nun auch in TFioS mit Ansel Elgort bewiesen.

Elgort zeichnet sich in “The Fault in our Stars” durch eine enorme Präsenz aus. Er spielt Augustus wunderbar selbstsicher und zeigt sich doch enorm verwundbar. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern wirkt den ganzen Film glaubwürdig.

Fault in Our Stars - Foto - 05 - Augustus (Ansel Elgort), Isaac (Nat Wolff), Hazel (Shailene Woodley)

Unter den Nebendarstellern brilliert Nat Wolff als der durch Krebs erblindete Isaac. Er ist besonders in den leichten und lustigen Momenten stets präsent, ohne jemals lächerlich zu wirken. Laura Dern und Sam Trammell wirken in ihren Rollen als Hazel’s Eltern ungemein real. Auch Willem Dafoe bekommt die Gelegenheit, sich als Peter van Houten den Zorn der Zuschauer zuzuziehen.

“The Fault in our Stars” ist nicht perfekt. Fans des Buches werden natürlich Szenen und Charaktere vermissen, die sie auch in der Adaptation gerne gesehen hätten. Der Schluss einer Szene im Anne-Frank Haus wirkt peinlich und passt nicht zum Film.

Und doch ist es den Machern gelungen, den Ton und den Charakter der nicht ganz einfach umzusetzenden Buchvorlage zu treffen. Damit haben sie einen Film gemacht, der es schafft, gleichzeitig ernst und leicht sowie lustig und traurig zu sein. Sie nehmen den Zuschauer mit auf eine emotionale Reise und geben ihnen einiges zu denken mit auf den Weg. Zuschaer sind gewarnt: Wer nah am Wasser gebaut ist, sollte auf jeden Fall Taschentücher dabei haben.

“The Fault in our Stars” eine wunderbar erzählte Geschichte. Sie ist als Buch nur zu empfehlen und nun auch als Film. Okay? Okay.

The Fault in our Stars

Regie: Josh Boone

Drehbuch: Scott Neustadt, Michael H. Weber

Darsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Nat Wolff, Laura Dern, Willem Dafoe, Sam Trammell

Jahr: 2014

Dauer: 125 Minuten

Finsterworld ist ab dem 12. Juli in den Schweizer Kinos.

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