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Treffen und Trennen

Seit gestern ist “Finsterworld” in den Schweizer Kinos. Unsere Gastautorin Katja Morand hat den Film gesehen und schildert hier ihre Gedanken zum mehrfach prämierten Episodenfilm.


Warum stehen in Hotelzimmern immer weisse Lilien in grossen Vasen?”, fragt sich Herr Sandberg und schiebt das grässliche Gesteck zur Seite, wobei man nun freien Blick auf sein Gesicht hat. Eine alltägliche Frage, ziemlich authentisch, dennoch wirkt sie im Film, als würde die Figur aus einer anderen Welt stammen. „Finsterworld“ spielt in Deutschland, allerdings in einem anderen Deutschland, als wir es kennen. Ein Einsiedler lebt mit seiner Krähe im Wald, pubertierende Schüler besuchen mit ihrem Lehrer ein KZ, ein Fusspfleger backt Kekse aus abgeschabter Hornhaut, ein Polizist möchte sich als Furry outen. Diese und weitere Handlungen laufen ganz beiläufig nebeneinander her, zur gleichen Zeit am fast selben Ort. Aus anderen Episodenfilmen weiss man, dass sich die verschiedenen Handlungsstränge irgendwo kreuzen werden, die Frage ist nur wo, wie und welche Folgen wird dies haben.

Überhaupt dreht sich der Film um Begegnungen sowie um das Annähern und Zusammenführen verschiedener Personen in unterschiedlichen Räumen. Dem folgt aber gleich eine rasche Trennung, eine oftmals unerwartete Wendung, welche den Film vorantreibt. Herrlich unspektakulär, obwohl irgendwo realitätsgetreu, werden die schrägen Figuren gezeichnet, die sich in seltsamen Handlungen wiederfinden. Trotzdem, so abwegig scheinen diese oftmals gar nicht. Oder wer hat nicht schon mal auf der Tankstellentoilette laut mit sich selber gesprochen oder selbst gebackene Kekse auf der eigenen Brustwarze balanciert und sich dabei im Spiegel betrachtet?

Die Flüchtigkeit des Augenblicks, die punktuelle Veränderung, der Zustand der Verwirrtheit, der gerne in Selbstironie gipfelt, zieht sich wie in roter Faden durch den Film. Da stört es auch nicht, dass die Enden der verschiedenen Episoden allesamt unterschiedliche Gefühle auslösen: mal tragisch, mal fröhlich, mal beides. Weil jedes Ende auch der Anfang einer neuen Geschichte ist.

Finsterworld

Regie: Frauke Finsterwalder

Drehbuch: Frauke Finsterwalder und Christian Kracht

Darsteller: Corinna Harfouch, Jakub Gierszal, Ronald Zehrfeld

Jahr: 2013

Dauer: 91 Minuten

Finsterworld ist seit dem 20. März in den Schweizer Kinos.

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