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Turturro, Turturro und Allen

“Fading Gigolo” hat alle Zutaten für eine Grossstadtkomödie von Woody Allen. Bloss hat sie John Turturro geschrieben. Er hat auch Regie geführt und spielt die Hauptrolle. Und Woody Allen? Der verkörpert sich selbst.

John Turturro zeichnet eine Satire über das Judentum in New York und deren zwischenmenschliche Beziehungen. Leider kann der Zuschauer nur selten lachen.

Murray, der neurotische, fantasievolle und geschwätzige Jude aus New York (Allen, Allen, Allen), welcher zwar nicht religiös, aber trotzdem in seiner Gemeinde verankert ist, besitzt eine Buchhandlung. Sein Freund Fioravante (John Turturro) arbeitet bei ihm. Just als der Laden Konkurs geht, hat Murray einen Termin bei seiner Dermatologin (Sharon Stone), welche ihn fragt, ob er einen Mann kenne, welcher für eine Ménage à Trois in Frage komme. Murray schlägt seinen Freund vor und verlangt dafür tausend Dollar. Nach Überzeugungsarbeit willigt Fioravante ein, diesen Part zu spielen. Fortan beglückt er Frauen für Geld. Doch plötzlich verliebt sich Fioravante in die Witwe des Rabbis der Gemeinde. Murray und Fioravante versuchen die festgesetzten Regeln der kleinen Gesellschaft, in welcher sie leben, zu sprengen. Das etwas klischeehafte Drama ist also vorprogrammiert.

Alle Ingredienzen für eine Filmdelikatesse – also Witz, ein Staraufgebot und hervorragende Musik – sind vorhanden, aber als Zuschauer will man trotzdem nicht richtig auf den Geschmack kommen. Die Satire ist so überzeichnet, dass sie gegenüber Frauen und Juden häufig eher beleidigend als belustigend wirkt. Mit viel Wohlwollen kann man eine Kritik an der jüdischen Gemeinde in New York feststellen.  Sexappeal, aber viel mehr auch nicht, bringen Sofia Vergara und Sharon Stone auf die Leinwand. Dass diese Frauen dafür bezahlen müssen, um mit John Turturro zu schlafen, ist wohl die beste Pointe des Filmes.

 

VergaraFadingGigolo

 

Manchmal kann “Fading Gigolo” unterhalten, aber oft brauchen die Dialoge zu lange bis sie die Pointe treffen, was den Film nur schleppend vorankommen lässt. Gerade, was Timing und Satire betrifft, kann man in Regiearbeit oder Drehbuch die eklatanten Unterschiede zwischen Turturro und Allen feststellen, zumal die behandelten Themen in „Fading Gigolo“ dieselben sind wie in vielen von Allens Werken.

Ein Highlight des Filmes bildet aber der Soundtrack. Zu jazzigen Klängen von Gene Ammons oder Dean Martin streifen Allen und Turturro durch den Big Apple. Und wenn Vanessa Paradis Cover von “Tu si na cosa grande” in die Lauscher der Kinobesucher säuselt, wünscht man sich erst recht, der Film wäre etwas mehr wie die Musik gewesen.


Fading Gigolo

Regie: John Turturro

Drehbuch: John Turturro

Darsteller: John Turturro, Woody Allen, Sharon Stone, Vanessa Paradis, Sofia Vergara

Jahr: 2013

Dauer: 90 Minuten

“Fading Gigolo” läuft seit heute in den Schweizer Kinos.


 

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