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Der Name ist Fleming, Ian Fleming

Ian Fleming erschuf nach dem 2. Weltkrieg den charismatischen Geheimagenten James Bond. Als Vorbild für den Lebemann diente eine besondere Person: er selbst. Die neue BBC-Miniserie “Fleming: The Man Who Would Be Bond” wirft einen Blick auf das aufregende Leben des Schriftstellers und Nachrichtendienstoffiziers Fleming.

Es sind die 30er Jahre und Europa steht vor dem Krieg, der alles verändern wird. Ian Fleming (Dominic Cooper), Sohn eines bedeutenden und reichen Politikers, geniesst das Leben und steht im Schatten seines erfolgreichen Bruders Peter (Rupert Evans). Er gilt gleichzeitig als der schlechteste Börsenmakler und der bestaussehende Junggeselle der Stadt London. Doch seine Mutter Evelyn (Lesley Manville) hat genug von seinem Treiben und legt ein gutes Wort beim damaligen Premierminister ein: Fleming, der fliessend Deutsch und Französisch spricht, soll Assistent des Direktors vom Marine-Nachrichtenoffiziers. Der junge Mann hat zwar keinerlei Erfahrung, denkt aber unkonventionell und verfügt über gute Instinkte. Schnell freundet er sich mit der Sekretärin des Admirals, Monday (Anna Chancellor) an. Neben seiner neuen Tätigkeit als Spion findet Fleming Gefallen an zwei jungen Damen: der naiven Muriel Wright (Annabelle Wallis) und der mysteriösen Anne O’Neill (Lara Pulver). Als der zweite Weltkrieg 1939 ausbricht, sind Flemings Methoden und Fähigkeiten gefragter denn je.

James Bond, oder zumindest dessen Geist, ist allgegenwärtig. Besonders die erste Folge der vierteiligen Serie ist voller Anspielungen und Andeutungen auf die späteren Charakteristika des Geheimagenten. Fast jeder träumt davon, James Bond zu sein – Ian Fleming war es. In “Fleming” kommen auch die dunklen Seiten des Schriftstellers zum Vorschein: zum Beispiel sein Umgang mit Frauen und sein Verhältnis zu seiner dominierenden Mutter.

Die Serie leidet aber auch darunter, dauernd Bezug auf James Bond nehmen zu müssen und wollen. Sie ist wenig subtil und drängt dem Zuschauer die Gemeinsamkeiten zwischen dem Erschaffer und seiner Kreation förmlich auf. In den Szenen zwischen Fleming und Monday, die an Bond und Moneypenny erinnern sollen, gelingt dies besser, andere Szenen neigen zu der selben Übertreibung, welche die Bond-Film so ikonisch gemacht haben.

Dominic Cooper, der in “Captain America” Tony Stark’s Vater Howard spielt und in “History Boys” für Aufsehen sorgte, spielt Ian Fleming mit einer starken Präsenz. Er schafft es, die vielen Facetten des Schriftstellers glaubwürdig auf den Bildschirm zu bringen. Cooper verfügt über das nötige Charisma und Talent, den Lebemann zu verkörpern, zeigt aber auch die nötige Verwundbarkeit und Demut in den Szenen mit seiner Familie. 

Lara Pulver, die wie schon in “Sherlock” eine mysteriöse Frau darstellt, überzeugt auch dieses Mal in der Rolle von Ann O’Neill. O’Neill ist mit einem Baron verheiratet, hat gleichzeitig eine Affäre mit dem Besitzer der Daily Mail, Esmond Rothermere, und wickelt zudem Fleming um den Finger. Besonders in der Eröffnungsfolge beeindruckt die Chemie zwischen Cooper und Pulver.

Wer Realismus und eine ernsthafte Biographie von Ian Fleming sucht, wird mit “Fleming: The Man Who Would Be Bond” wahrscheinlich nicht glücklich. Dennoch ist der BBC eine packende Miniserie mit ausgezeichneten Schauspielerleistungen und einer faszinierenden Story gelungen, die sich Fans von James Bond einmal anschauen sollten.

Fleming: The Man Who Would Be Bond

Von: Mat Whitecross

Darsteller: Dominic Cooper, Lara Pulver

Jahr: 2014

Folgen: 4

Dauer: 60 Minuten pro Folge

“Fleming: The Man Who Would Be Bond” läuft auf BBC America und Sky Atlantic HD.

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