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FU – Francis Underwood

Die zweite Staffel der Serie „House of Cards“ ist bei Netflix erschienen. Francis Underwood handelt noch skrupelloser und der Zuschauer frohlockt.

Das hochdekorierte amerikanische Remake der BBC-Miniserie von 1990 geht in die zweite Runde. Kevin Spacey spielt einen machtgierigen Politiker, welcher ohne Gewissensbisse seine eigenen Ziele verfolgt. Weil es sich bei der Serie um eine Eigenproduktion von Netflix handelt, erschien die gesamte Staffel auf einmal im Internet und erlaubt dem Zuschauer, die Serie wie einen dreizehnstündigen Film zu schauen.

In der Fortsetzung verlagert sich die Handlung vom Kongress mehrheitlich ins weisse Haus, da der Protagonist Francis Underwood mit der Ernennung zum Vizepräsidenten ein erstes Etappenziel erreicht hat. Einsätze, mögliche Erträge und auch Risiken sind in diesem neuen Machtzirkel noch höher. Jederzeit könnte das Kartenhaus zusammenbrechen. Doch Francis Underwood versucht rücksichtslos alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Nicht ohne Grund lauten seine Initialen wie die Abkürzung einer Beleidigung

Obschon die Geschichte beinahe nahtlos fortgesetzt wird, ist der Sprung dennoch gross. Wichtige Figuren erscheinen nur noch am Rande oder verschwinden ganz, andere erhalten mehr Präsenz und neue Charaktere erscheinen. Deshalb sollte vor dem Schauen der Fortsetzung unbedingt nochmals das Ende der ersten Staffel angesehen werden, damit ein flüssiger Übergang garantiert ist.

Der Zuschauer hat das Gefühl einen exklusiven und voyeuristischen Blick in eine geschlossene Welt zu erhalten, nicht zuletzt, weil Francis Underwood immer wieder die vierte Wand durchbricht und sich direkt an ihn wendet. Im Polit-Thriller wird zwar die Regierung in Washington und deren Umfeld gezeigt, doch im Zentrum stehen erneut Francis Underwood und seine Frau Claire (Robin Wright). Claire hatte in der ersten Staffel noch versucht, unabhängig von Francis zu sein, nun kann sie ebenfalls nicht mehr aus dessen Schatten treten. Auch alle weiteren Nebenfiguren erhalten wenig Profil, zu fest dominiert Kevin Spacey mit seiner Darstellung den Bildschirm.

Das beschleichende Gefühl, dass rücksichtslose Machenschaften Einzelner das Schicksal der Bürger nicht nur auf dem Bildschirm, sondern auch in der Realität bestimmt, kann die Serie manchmal beschwören, da aktuelle Themen wie neue Medien, Aufhebung der Privatsphäre oder Energiehandel wichtige Rollen spielen. In der zweiten Staffel handelt Underwood aber noch skrupelloser und die Verschwörungen werden grösser. Dadurch verliert „House of Cards“ immer mehr den Bezug zur Realität. Weil aber niemand eine möglichst realitätsnahe Darstellung der politischen Elite verlangt hat, erhöht dies bloss die Unterhaltung. Netflix bietet somit einen mehrstündigen Politthriller, welcher mit einer grossartigen Besetzung glänzen kann.

House of Cards

Von: Beau William

Darsteller: Kevin Spacey, Robin Wright, Michael Kelly

Jahr: 2013

Folgen: 13

Dauer: 60 Minuten pro Folge

“House of Cards” läuft auf Netflix.


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